Türkischer Wein und seine Geschichte

Information über den Weinbau in der Türkei und seine Geschichte 

Die Geschichte des türkischen Weins ist ein heikles Thema, denn einige Länder streiten sich heute um den Titel "Ursprungsland des Weins". Hierzu gehören Georgien, Armenien und die Türkei. Fakt ist, daß sich die Regionen in dem Dreiländergebiet über die Jahrtausende zu mannigfach gewandelt haben, daß eigentlich nur die Region benannt, aber  nicht auf das heutige Staatsgebiet referenziert werden kann. Ich versuche in diesem Beitrag zusammenzutragen, was ich über das Thema gelesen habe und entsprechende Quellen zu nennen.

Erste archäologische Befunde auf dem heutigen Staatsgebiet der Türkei

"Laut Dr. Patrick E. McGovern, dem wissenschaftlichen Direktor des Biomolekularen Archäologischen Labors für Küche, fermentierte Getränke und Gesundheit im Museum der University of Pennsylvania und Dr. José Vouillamoz von der Universität Neuchâtel in der Schweiz, die sich auf die Untersuchung der Herkunft und Abstammung von Traubensorten durch DNA-Typisierung (oder genetischen Fingerabdruck) spezialisiert haben, nennen beide den südöstlichen Teil der Türkei als Ursprung von Traubenkernen und Trauben-Domestizierung seit 9.000 v. Chr.." (Rote Nadel)
Quelle: winesofturkey.org

Türkei, Armenien, Georgien - oder am Ende doch China?

Der Berg Arrarat

Der Berg Arrarat

Auch aus biblischer Sicht, war der Berg Ararat, auf dem heutigen Staatsgebiet der Türkei, auf welchem Noah mit seiner Arche gestrandet war, der erste Ort, an dem nach der Sintflut Wein angebaut wurde. "Noah aber, der Ackermann, pflanzte als Erster einen Weinberg." (1. Mose 9,20 - Grüne Nadel)

Heute streiten sich die Länder der Türkei, Armenien und Georgien um den Titel des Landes, in dem der Wein "erfunden" wurde, denn auch in Georgien legen archäologische Funde nahe, daß es dort bereits um 7000 v.Chr. die Vinifizierung von Traubensaft zu Wein in den ausgegrabenen Amphoren gab.

Am Ende wurde der Wein dann aber wohl doch mal wieder in China erfunden. Oben erwähnter Professor Patrick McGovern hat nämlich im Jahr 2004 Gefäße, ebenfalls aus der Zeit um 7000 vor Christus (also vor 9000 Jahren) im Norden von China gefunden. In diesen Gefäßen wurden dann Reste eines fermentierten Getränks nachgewiesen. In den nachfolgenden Analysen konnte nachgewiesen werden, dass es sich bei diesem Getränk um eine Mischung aus Bier, Wein und Met handelte. Hergestellt wurde es mit Hilfe von Pilzkulturen aus Weintrauben, Reis und Honig.
Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Buch: „Bernsteinglanz und Perlen des Schwarzen Drachen: Die Geschichte der chinesischen Weinkultur“

Nomaden verteilen den Wein über Vorderasien 

Nomadische Völker der damaligen Zeit verbreiteten den Wein und die Anbaumethoden dann von Vorderasien bis nach China. 

In Übereinstimmung mit historischen Daten und Forschungen von Archäobotanikern, wie oben erwähnt, hat der Anbau von Weintrauben in den Weinbergen der Region Anatolien ebenfalls vor etwa 9000 Jahren begonnen, und hatte einen wichtigen Einfluss auf die Kulturen der Türkei, sowie in den folgenden Jahrhunderten auch auf den Weinbau im Rest der Welt. In der Geschichte Anatoliens war Wein zunächst eine primäre Opfergabe an die Götter bei Ritualen, insbesondere wenn Könige oder andere hochgestellte Persönlichkeiten diesen Zeremonien beiwohnten.
Quelle: Wikipedia.org Eintrag zu Patrick Mc Govern unter https://en.wikipedia.org/wiki/Patrick_Edward_McGovern

Später dann, zwischen 2000 v. Chr. und 1500 v. Chr., wurde der Wein in Griechenland und den griechischen Kolonien an der ägäischen Küste durch die Phönizier eingeführt. Dieser hatte seinen Höhepunkt in der Antike erreicht. Tatsächlich hatte bereits Homer in seinen epischen Gedichten "Die Ilias" und "Die Odyssee" seine Bewunderung für die anatolischen und griechischen Weine zum Ausdruck gebracht. 

Die Römer bringen den Wein nach Europa

Im Laufe der Zeit war der Wein sowohl für die Griechen als auch für die Römer zu einem wichtigen Getränk geworden, das innerhalb des römischen Reiches einen wichtigen, ja fast unverzichtbaren Platz einnahm. Letztendlich waren die Römer verantwortlich für das, was wir heute die französische Weinkultur nennen, und folgerichtig auch für die Ausbreitung und Entwicklung dieser Industrie in ganz Europa, dem Balkan,  Deutschland, Österreich und Ungarn, in dem sie den Flüssen Europas wie Rhein, Rhone, Mosel oder Donau folgten.

Beispiel hierfür ist eine der frühen anatolischen Rebsorten, die Sorte Misket, die in Europa später als Muskateller bekannt wurde. Eine weitere Sorte aus Smyrna (dem heutigen Izmir), wurde bei der Herstellung des berühmten Weins des Pramnios, der in Homers Ilias erwähnt wird, verwendet.

Religionen und Wein

Weinbau im Kloster

Auch die Religion spielte bei der Herstellung und Verbreitung von Wein eine wichtige Rolle. In Anbetracht der Tatsache, dass Wein innerhalb des Christentums ein heiliges Getränk ist, arbeiteten Institutionen wie Kirchen und Klöster ebenfalls an der Entwicklung von Wein. Im Mittelalter, als die katholische Kirche sich ausdehnte, wurden die Ländereien als Weinberge genutzt, und der produzierte Wein wurde anschließend mit Gewinn verkauft, was der Kirche auch ein entsprechendes Einkommen verschaffte. Wein wurde also damals nicht nur für religiöse Zeremonien hergestellt. Im Gegensatz zum Christentum verbot der Islam das Trinken von Wein, und infolgedessen war der Weinkonsum im Osmanischen Reich im Vergleich zu den anderen Ländern und Städten in Europa erheblich geringer. 


Im Jahr 1453 eroberte Sultan Mehmet II. Konstantinopel,  es wurde zu Istanbul umbenannt und war fortan die Hauptstadt des Osmanischen Reiches (vormals Edirne). Die Geschichte der Weinproduktion in der damaligen Türkei, und Anatolien im Speziellen, folgte nicht wirklich einem regelmäßigen Muster. Obwohl der Alkoholkonsum und damit auch der Weinanbau den Muslimen in den verschiedenen Zeitabschnitten aufgrund der Scharia im Osmanischen Reich verboten war, hatte er unter der Produktion religiöser Minderheiten, wie Christen und Juden weiter floriert, bis den Muslimen wieder die Erlaubnis erteilt wurde, Wein zu produzieren. Da die Weinsteuer einen beträchtlichen Teil der staatlichen Einnahmen erzielte, wurden diese Regeln im Laufe der Zeit immer wieder aufgehoben oder gelockert, wenngleich das religiöse Gesetz dies stets verbot. Wurde das Gesetzt wieder strenger (ausgelegt), wurden die Weinberge in der Regel durch die Nutzung für die Herstellung von Traubensaft oder Rosinen so geschützt und gepflegt, dass es leicht war, schnell wieder in die Produktion und den Vertrieb von Wein einzusteigen.
Quelle: Fischer Weltgeschichte - Der Islam II - Die islamischen Reiche nach dem Fall von Konstantinopel


Moschee mit Feld

Mustafa Kemal Atatürk - Der Gründer der türkischen Republik

Mustafa Kemal Atatürk

Mustafa Kemal Atatürk geboren im Jahre 1881 als Muṣṭafâ Kemâl Paşa ist sicherlich der am meisten ge- und verehrte Politiker der Türkei.

Er war es, der die lange Geschichte des Sultanats als Regierungsform in der Türkei abschaffte und am 29. Oktober 1923 die türkische Republik gründete.

Er richtete die Türkei nach westlichem Vorbild neu aus, setzte Gleichberechtigung von Mann und Frau um, die Trennung von Staat und Religion, führte die lateinische Schrift ein, den christlichen Kalender, sowie das metrische System. Die Scharia als Rechtssystem wurde abgeschafft und eine neue Rechtsordnung nach westlichem Vorbild wurde eingeführt.

Alles dies verdankt die heutige Türkei ihrem Gründungsvater. Aus diesem Grunde ehrten die Türken Ihr geliebtes Staatsoberhaupt auch mit dem Namen Atatürk, Vater der Türken.

Diesen Namen darf in der Türkei bis zum heutigen Tag offiziell einzig dieser Mann tragen.

Unter seiner Regierung wurde das Verbot von alkoholischen Getränken, darunter natürlich auch Wein, komplett aufgehoben, und es wurde als eine akzeptable und angemessene Einnahmequelle angesehen. In den darauffolgenden Jahren wurden dann die ersten offiziellen, privaten Weinkellereien in der Republik Türkei gegründet. Finden Sie hierzu auch nähere Informationen in unseren Beiträgen zum Weingut Doluca und zum Weingut Kavaklidere.

Während der Weinbau für die Türkei wichtig ist und war, ist die Szene der Weinkellereien zur damaligen Zeit nicht explodiert, da nach Atatürks Tod 1938, schließlich im Jahre 1942  ein staatliches Alkoholmonopol namens Tekel eingeführt wurde. Wenn Sie darüber mehr wissen wollen, dann lesen Sie hier unseren Blogbeitrag zur Geschichte von Tekirdag  Raki.

Über den weiteren Werdegang von türkischem Wein und seine Situation heute, schreiben wir Ihnen bald eine andere Geschichte, würden uns aber freuen, wenn wir Sie ein wenig neugierig gemacht haben. Sehen Sie sich um, und lassen Sie sich "von den ältesten Weinen der Welt" überraschen.


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